Von der Gussstahlfabrik zur modernen Unternehmenszentrale

Bereits im Jahr 1811 hatte Friedrich Krupp an gleicher Stelle die erste Produktionsstätte der gleichnamigen Gussstahlfabrik errichten lassen. Ein Fachwerkhaus, später als „Stammhaus“ bezeichnet, diente der Familie Krupp ab 1824 damals als Wohnsitz.

Nach dem Tod von Friedrich Krupp im Jahr 1826 übernahm Sohn Alfred, gerade einmal 14 Jahre alt, den Betrieb. Fortan entwickelte sich das Areal zu einem Industriegebiet mit für damalige Verhältnisse gigantischen Ausmaßen. Bereits 1887 waren auf dem Gelände an der Altendorfer Chaussee 20.000 Arbeiter für das Kruppsche Unternehmen beschäftigt.

An der vorwiegend industriellen Nutzung änderte auch die Produktionsumstellung nach dem Ersten Weltkrieg und die Wirtschaftskrise in den 1920er Jahren nichts. Die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstörten dann fast sämtliche Gebäude, die jedoch in der Nachkriegszeit durch neue, moderne Produktionsstätten ersetzt wurden. Letztlich wurde die industrielle Nutzung der Flächen, im Rahmen der Errichtung der neuen Hauptverwaltung von thyssenkrupp im Jahr 2007 restlos aufgegeben. Heute erinnern nur noch zwei Bauwerke an die Ursprünge des Unternehmens: das Stammhaus und das sog. Tiegelgussdenkmal aus dem Jahr 1942, entworfen von dem Berliner Bildhauer Artur Hoffmann.

Der Beginn der nachindustriellen Entwicklung

Im Jahr 2006 hatte thyssenkrupp einen 2-phasigen internationalen Wettbewerb ausgelobt. Der Wettbewerb hatte das Ziel, eine Lösung für eine neue Hauptverwaltung auf dem ehemals industriell genutzten Areal zu finden und rheinlandweite Standorte zu zentralisieren. An der ersten Phase des offenen Wettbewerbs beteiligten sich etwas mehr als 100 Büros. In die zweite Phase schafften es damals 10 Büros, von denen die Arbeitsgemeinschaft aus JSWD Architekten, Köln und dem Atelier d’architecture Chaix & Morel et Associés, Paris als Sieger hervorgingen.

Die städtebauliche Grundidee entsprach dem Gedanken einer Campusanlage. Auf einem „grünen Teppich“ gruppieren sich, in lockerer Körnung einzelne solitäre Gebäude. Die ordnende Struktur schafft ein zentrales Wasserbecken, zu dem sich Solitäre hin orientieren. Auf diese Weise entsteht ein kompaktes, offenes und kommunikatives Büroquartier mit kurzen Wegen. Im Schwerpunkt der städtebaulichen Achse, ist das profilüberragende, 50m hohe Gebäude k1, als Schwerpunkt des Campus platziert.

Im ersten Bauabschnitt wurden bis 2010 die Gebäude k1, k2, k5, k7, das Parkhaus am Berthold-Beitz-Boulevard sowie eine zentrale Tiefgarage realisiert. Das Bestandsgebäude k4 wurde revitalisiert. Im Jahr 2012 ging die Kita „Miniapolis“ in Betrieb. Weitere zwei Jahre später erfolgte dann die Fertigstellung der Bürogebäude k6, k8 und k10. Insgesamt wurden so Büro- und Kommunikationsflächen, sowie Gastronomie- und Veranstaltungsflächen für die Mitarbeitenden und die Gäste des Konzerns geschaffen.

Dabei spielte auch damals schon das Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt eine vorrangige Rolle. Das Gebäude k1 wurde, beispielhaft für die anderen Gebäude am Campus, mit dem Nachhaltigkeitssiegel DGNB Gold ausgezeichnet. Auf dem gesamten Gelände des ruhr tech kampus essen stehen 2/3 unversiegelter Fläche 1/3 befestigter Fläche gegenüber. Hierdurch kann das Regenwasser weitestgehend versickern und in den Wasserkreislauf zurückgeführt werden. Campusweit wird zudem das Regenwasser der Dachflächen gesammelt und durch ein vom Schmutzwasser getrenntes Kanalsystem unter anderem in den See des benachbarten Krupp-Parks abgeleitet. Der weltweit einmalige kinetische Sonnenschutz des k1 sichert einen maximalen Lichteinfall bei hinreichendem Schutz des Gebäudes vor Aufwärmung.

Auch das Freiraumkonzept des Campus ist beispielhaft. So wurden auf dem Campus mehr als 700 Bäume gepflanzt. Diese verbessern gemeinsam mit der großzügig angelegten Wasserfläche das Kleinklima des gesamten Campus erheblich. Besonders eindrucksvoll ist hierbei die „Allee der Welten“, die sich über 235 Meter parallel zur Wasserfläche erstreckt. Unter den insgesamt 68 gepflanzten Bäumen finden sich 15 Baumarten aus fünf Kontinenten.

Der Campus und das k1 erhielten im Lauf der Jahre mehrere nationale und internationale Architekturpreise.

Der Kampus im Wandel

13 Jahre nach dem Ortswechsel von Düsseldorf nach Essen werden neue Anforderungen an das Arbeitsumfeld der Mitarbeitenden gestellt - technisch, aber auch räumlich. Corona hat die Arbeitswelt und auch die Anforderungen an das “neue Büro” und die Art, wie wir arbeiten stark beeinflusst. Mobiles Arbeiten war viele Monaten fester Bestandteil des Alltags und wird es auch weiterhin bleiben. Die Anforderungen an die Bürowelten haben sich maßgeblich geändert. Anstatt Einzelbüros werden offene Projekträume und Kommunikationsflächen gefordert, die den konstruktiven Austausch ermöglich.

Den Themen wie die Flexibilisierung der Arbeitszeit und vor allem des Arbeitsortes muss Rechnung getragen werden. Dabei reduzieren die derzeit laufenden Veränderungsprozesse den Bedarf an Büroarbeitsflächen und führen gleichzeitig zu einem Anstieg der Nachfrage nach Flächen für Kommunikation und Wissensaustausch.

Vom Mono- zum Multi-Company Campus

Auch wenn das Quartier bislang auf thyssenkrupp zugeschnitten war, so lässt die städtebauliche Körnung eine Neuinterpretation bezüglich der Nutzung des Campus zu. Alle Gebäude sind „multi-tenant-fähig“. Darum kann problemlos vom ursprünglichen Anspruch einer Mono-Corporate-Nutzung des gesamten Campus abgerückt werden. Die kleinteilige Gebäudestruktur macht es möglich, Fremdnutzer zu integrieren, ohne dass thyssenkrupp seine Präsenz innerhalb des Campus aufgeben muss.

Schon heute nimmt der ruhr tech kampus essen in Sachen Ressourcenschonung, Ökologie und Digitalisierung einen Vorbildcharakter für kommende Entwicklungen im Ruhrgebiet ein. Die Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft wird hier räumlich greifbar und der Campus entwickelt sich von der statischen mono-dominierten Einheit zu einem lebendigen Campus der Zusammenarbeit – ohne jedoch die Prägung durch thyssenkrupp aufzugeben. Er ist nicht nur Ort für Arbeit und Leistung, sondern auch ein lebenswertes Stück Stadt mit attraktiven Angeboten, die den Alltag seiner Nutzer bereichern.

Daher hat sich thyssenkrupp entschlossen, das thyssenkrupp Quartier unter einem neutralen Namen weiterzuentwickeln und es in “ruhr tech kampus essen” umzubenennen. Dies spiegelt die Ausrichtung der Geschäftsfelder der thyssenkrupp AG und der externem Mietenden wieder und unterstreicht die Entwicklung des Technologiestandortes Essen. Der „ruhr tech kampus essen“ ist der Raum, der sich an die Bedürfnisse der Menschen anpasst, die Ideen für unsere Zukunft entwickeln. Darin ist der Standort so flexibel wie die Zukunft selbst.

Für Fremdnutzende verhilft die Orientierung jedes einzelnen Gebäudes - mit Sichtverbindung auf die zentrale Achse (auch in der zweiten Reihe) - zu einer hohen Identität und einer Adressbildung für den eigenen Markenauftritt. Im Übrigen strahlt der Campus eine hohe Wertigkeit aus, die in dieser Form in der Region, aber auch überregional ihresgleichen sucht. Das macht den Campus, in zentral erreichbarer Lage im Stadtgebiet der Stadt Essen, zu einem attraktiven Geschäftsstandort für externe Nutzende.

Ein besonderer Name

Im September 2023 hat thyssenkrupp beschlossen, das thyssenkrupp Quartier unter dem neutralen Namen „ruhr tech kampus essen“ weiterzuentwickeln. Dies spiegelt die Ausrichtung der Geschäftsfelder von thyssenkrupp sowie der externen Mieter wider und unterstreicht die Entwicklung des Technologiestandorts Essen.

Die ungewöhnliche Schreibweise des Wortes „kampus“ – kleingeschrieben und mit „k“ statt „c“ – ist als Reminiszenz an thyssenkrupp zu verstehen. So verbirgt sich die Abkürzung „tk“, die intern von allen Mitarbeitenden genutzt wird, auch im neuen Namen für das Areal an der Altendorfer Straße.

Die durchgängige Kleinschreibung nimmt zudem Bezug auf den ebenfalls kleingeschriebenen Konzernnamen thyssenkrupp. Wird hingegen vom Standort an sich gesprochen, kommt weiterhin die korrekte Schreibweise „Campus“ zum Einsatz – eine bewusste, ungewöhnliche, aber stimmige Differenzierung.